Versicherungslexikon

Pflegegrad

Auch: Pflegegrade, Pflegestufe

Von Volodymyr Snihovyi Zuletzt aktualisiert: 2 Min Lesezeit

Kurz erklärt

Der Pflegegrad gibt an, wie stark eine Person in ihrer Selbstständigkeit eingeschränkt ist und welche Pflegeleistungen ihr zustehen. Es gibt fünf Pflegegrade — je höher der Grad, desto höher der Unterstützungsbedarf und die Leistungen.

Auf einen Blick

Anzahl
Fünf Pflegegrade
Misst
Grad der Selbstständigkeit
Ermittlung
Begutachtung über die Pflegekasse
Höherer Grad
Mehr Bedarf, höhere Leistungen
Eigenanteil
Oft Pflegezusatzversicherung sinnvoll

Der Pflegegrad beschreibt, wie stark ein Mensch in seiner Selbstständigkeit und seinen Fähigkeiten eingeschränkt ist — und bestimmt dadurch, welche Leistungen der Pflegeversicherung ihm zustehen. Das frühere System der „Pflegestufen" wurde durch fünf Pflegegrade ersetzt, die den Unterstützungsbedarf umfassender abbilden, auch bei kognitiven Einschränkungen wie Demenz. Je höher der Pflegegrad, desto größer der Bedarf und desto höher die Leistungen.

Wie wird der Pflegegrad ermittelt?

Die Einstufung erfolgt über ein Begutachtungsverfahren, bei dem die Selbstständigkeit in verschiedenen Lebensbereichen (Modulen) bewertet wird — etwa Mobilität, kognitive Fähigkeiten, Selbstversorgung und die Bewältigung des Alltags. Aus der Bewertung ergibt sich ein Punktwert, der einem der fünf Pflegegrade zugeordnet wird. Den Antrag stellen Sie bei der Pflegekasse, die eine Begutachtung veranlasst.

Die fünf Pflegegrade im Überblick

PflegegradBedeutung
Pflegegrad 1Geringe Beeinträchtigung der Selbstständigkeit
Pflegegrad 2Erhebliche Beeinträchtigung
Pflegegrad 3Schwere Beeinträchtigung
Pflegegrad 4Schwerste Beeinträchtigung
Pflegegrad 5Schwerste Beeinträchtigung mit besonderen Anforderungen

Warum die Pflegeversicherung oft nicht ausreicht

Die gesetzliche Pflegeversicherung übernimmt nur einen Teil der tatsächlichen Pflegekosten — der verbleibende Eigenanteil kann erheblich sein, besonders bei stationärer Pflege. Genau hier setzt eine private Pflegezusatzversicherung an: Sie zahlt je nach Tarif ein zusätzliches Pflegetagegeld oder ergänzende Leistungen, die sich häufig am festgestellten Pflegegrad orientieren. So lässt sich die Versorgungslücke schließen.

Worauf Sie achten sollten

  • Antrag rechtzeitig stellen: Leistungen gibt es in der Regel erst ab Antragstellung.
  • Begutachtung vorbereiten: Ein Pflegetagebuch hilft, den Bedarf realistisch darzustellen.
  • Eigenanteil bedenken: Die gesetzliche Leistung deckt oft nicht alle Kosten.
  • Zusatzversicherung prüfen: Eine Pflegezusatzversicherung orientiert sich meist am Pflegegrad.

So gehen Sie vor

  1. Stellen Sie bei Pflegebedarf einen Antrag bei der Pflegekasse.
  2. Bereiten Sie die Begutachtung vor, z. B. mit einem Pflegetagebuch.
  3. Prüfen Sie nach der Einstufung die zustehenden Leistungen.
  4. Schließen Sie bei Bedarf frühzeitig eine Pflegezusatzversicherung ab.

Abgrenzung zu verwandten Begriffen

Der Pflegegrad steuert die Leistungen der gesetzlichen Pflegeversicherung; eine private Pflegezusatzversicherung knüpft häufig daran an. Wie bei vielen Personenversicherungen spielt beim Abschluss einer Zusatzpolice die Gesundheitsprüfung eine Rolle, und manche Tarife sehen eine Wartezeit vor. Anders als das Krankentagegeld, das bei Arbeitsunfähigkeit greift, bezieht sich der Pflegegrad auf die Pflegebedürftigkeit.

Beispiel

Nach einem Schlaganfall ist ein Angehöriger im Alltag stark eingeschränkt. Die Familie stellt einen Antrag bei der Pflegekasse, die eine Begutachtung veranlasst. Auf Basis der bewerteten Selbstständigkeit wird ein Pflegegrad festgestellt, der bestimmte Leistungen auslöst. Da der Eigenanteil für die stationäre Pflege dennoch hoch ist, zeigt sich, wie wertvoll eine zuvor abgeschlossene Pflegezusatzversicherung gewesen wäre.

Häufige Fragen

Pflegegrad — Ihre Fragen

Wie viele Pflegegrade gibt es?
Es gibt fünf Pflegegrade. Sie haben die früheren Pflegestufen abgelöst und bilden den Unterstützungsbedarf umfassender ab — auch bei kognitiven Einschränkungen wie Demenz. Je höher der Grad, desto höher die Leistungen.
Wie wird der Pflegegrad festgestellt?
Über ein Begutachtungsverfahren, bei dem die Selbstständigkeit in mehreren Bereichen bewertet wird. Aus dem Ergebnis ergibt sich ein Punktwert, der einem Pflegegrad zugeordnet wird. Den Antrag stellen Sie bei der Pflegekasse.
Reicht die gesetzliche Pflegeversicherung aus?
Häufig nicht. Sie übernimmt nur einen Teil der Pflegekosten, sodass je nach Pflegegrad und Pflegeform ein erheblicher Eigenanteil bleibt. Eine private Pflegezusatzversicherung kann diese Lücke schließen.
Woran orientiert sich eine Pflegezusatzversicherung?
Viele Pflegezusatztarife knüpfen ihre Leistungen an den festgestellten Pflegegrad — etwa über ein gestaffeltes Pflegetagegeld. Je höher der Pflegegrad, desto höher fällt häufig die vereinbarte Leistung aus.
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Hinweis: Dieser Lexikon-Eintrag dient der allgemeinen Information und stellt keine Rechts-, Steuer- oder Versicherungsberatung dar. Konkrete Bedingungen ergeben sich aus Ihrem Versicherungsvertrag und den jeweiligen Versicherungsbedingungen.

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