Versicherungslexikon

Berufsunfähigkeit

Auch: BU, Berufsunfähigkeitsversicherung, BU-Versicherung

Von Volodymyr Snihovyi Zuletzt aktualisiert: 4 Min Lesezeit

Kurz erklärt

Berufsunfähigkeit bedeutet, dass Sie Ihren zuletzt ausgeübten Beruf aus gesundheitlichen Gründen dauerhaft nicht mehr ausüben können — meist zu mindestens 50 Prozent und voraussichtlich für längere Zeit. Die Berufsunfähigkeitsversicherung zahlt dann eine vereinbarte monatliche Rente und sichert so Ihr Einkommen ab.

Auf einen Blick

Kurzform
BU bzw. BU-Versicherung
Leistung
Monatliche Rente bei Berufsunfähigkeit
Üblicher Maßstab
Mind. 50 % Berufsunfähigkeit, voraussichtlich ≥ 6 Monate
Häufige Ursachen
Psyche und Erkrankungen des Bewegungsapparats
Wichtigstes Kriterium
Verzicht auf abstrakte Verweisung

Von Berufsunfähigkeit (kurz „BU") spricht man, wenn eine Person ihren zuletzt ausgeübten Beruf aus gesundheitlichen Gründen voraussichtlich für längere Zeit nicht mehr ausüben kann. In den meisten Versicherungsbedingungen gilt jemand als berufsunfähig, wenn er den Beruf zu mindestens 50 Prozent nicht mehr ausüben kann und dieser Zustand voraussichtlich mindestens sechs Monate andauert. Die Berufsunfähigkeitsversicherung zahlt in diesem Fall eine vorher vereinbarte monatliche Rente — sie ersetzt also nicht die Heilung, sondern das wegfallende Einkommen.

Warum die Berufsunfähigkeitsversicherung so wichtig ist

Die Arbeitskraft ist für die meisten Menschen ihr wertvollstes „Kapital": Aus dem Einkommen werden Miete, Lebenshaltung, Familie und Altersvorsorge bestritten. Fällt dieses Einkommen krankheitsbedingt weg, entsteht schnell eine große Versorgungslücke. Die gesetzliche Absicherung über die Erwerbsminderungsrente greift erst unter strengeren Voraussetzungen und fällt häufig deutlich niedriger aus als das bisherige Gehalt. Die private BU-Versicherung schließt genau diese Lücke und gilt deshalb — neben der Privathaftpflicht — als eine der wichtigsten Absicherungen für Berufstätige.

Ein verbreiteter Irrtum ist, dass vor allem körperlich arbeitende Menschen betroffen sind. Tatsächlich zählen psychische Erkrankungen sowie Erkrankungen des Bewegungsapparats zu den häufigsten Ursachen — sie treffen Bürotätige ebenso wie Handwerker.

Berufsunfähigkeit, Erwerbsunfähigkeit und Dienstunfähigkeit

Die Begriffe werden oft verwechselt, bezeichnen aber Unterschiedliches:

BegriffMaßstab
Berufsunfähigkeit (BU)Sie können Ihren zuletzt ausgeübten Beruf nicht mehr ausüben
Erwerbsunfähigkeit / ErwerbsminderungSie können gar keiner Erwerbstätigkeit mehr im nennenswerten Umfang nachgehen (gesetzlicher Maßstab)
DienstunfähigkeitSpezialfall für Beamte — Absicherung über eine Dienstunfähigkeitsklausel

Die BU setzt also am konkret ausgeübten Beruf an und schützt damit weitreichender als die gesetzliche Erwerbsminderungsrente, die einen viel strengeren Maßstab anlegt.

Worauf Sie beim BU-Schutz achten sollten

Die Qualität einer BU-Versicherung hängt stark von den Bedingungen ab. Besonders wichtig sind:

  • Verzicht auf die abstrakte Verweisung: Gute Tarife dürfen Sie nicht auf einen anderen, theoretisch zumutbaren Beruf verweisen — es zählt allein Ihr zuletzt ausgeübter Beruf.
  • Ausreichende Rentenhöhe: Die vereinbarte BU-Rente sollte Ihren laufenden Lebensunterhalt decken.
  • Nachversicherungsgarantie: Sie erlaubt, die Rente bei wichtigen Lebensereignissen (z. B. Heirat, Geburt, Gehaltssprung) ohne erneute Gesundheitsprüfung zu erhöhen.
  • Rückwirkende Leistung und Prognosezeitraum: Achten Sie darauf, ab wann und für welchen vorausschauenden Zeitraum geleistet wird.
  • Saubere Gesundheitsprüfung: Wahrheitsgemäße Angaben sind Pflicht — falsche Angaben können den Schutz im Leistungsfall gefährden.

Die Gesundheitsprüfung — der entscheidende Schritt

Vor Vertragsabschluss stellt der Versicherer Fragen zu Ihrem Gesundheitszustand. Diese Angaben unterliegen der vorvertraglichen Anzeigepflicht und müssen vollständig und wahrheitsgemäß sein. Je früher im Leben Sie eine BU abschließen, desto höher ist in der Regel die Chance auf einen guten Gesundheitszustand und damit auf eine Annahme ohne Zuschläge oder Ausschlüsse. Bestehen Vorerkrankungen, kann eine anonyme Risikovoranfrage über einen Berater helfen, die Annahmechancen bei mehreren Versicherern auszuloten, ohne negative Einträge zu riskieren.

So gehen Sie vor

  1. Schätzen Sie Ihre monatliche Versorgungslücke, falls Ihr Einkommen wegfiele.
  2. Legen Sie eine BU-Rente fest, die Ihren Lebensunterhalt sichert.
  3. Achten Sie auf zentrale Bedingungen wie den Verzicht auf abstrakte Verweisung und eine Nachversicherungsgarantie.
  4. Beantworten Sie die Gesundheitsfragen wahrheitsgemäß; klären Sie Vorerkrankungen vorab über eine Risikovoranfrage.
  5. Schließen Sie den Schutz möglichst früh ab — das verbessert Annahme und Beitrag.

Abgrenzung zu verwandten Begriffen

Die Höhe und Annahme Ihres BU-Schutzes hängen eng mit der Gesundheitsprüfung zusammen. Über die Karenzzeit lässt sich der Leistungsbeginn nach hinten verschieben, was den Beitrag senken kann — sinnvoll vor allem, wenn Sie einen leistungsfreien Zeitraum finanziell überbrücken können. Die BU ersetzt keine Kranken- oder Unfallversicherung: Sie zahlt unabhängig davon, ob die Ursache Krankheit oder Unfall ist, und unabhängig davon, ob Sie wieder gesund werden.

Beispiel

Sarah arbeitet im Büro und entwickelt eine schwere, anhaltende psychische Erkrankung, durch die sie ihren Beruf dauerhaft nicht mehr ausüben kann. Da ihr Tarif auf die abstrakte Verweisung verzichtet, kommt es allein darauf an, dass sie ihren zuletzt ausgeübten Beruf nicht mehr ausüben kann — sie muss sich nicht auf eine andere Tätigkeit verweisen lassen. Sie erhält die vereinbarte monatliche BU-Rente und kann damit ihren Lebensunterhalt weiter bestreiten.

Häufige Fragen

Berufsunfähigkeit — Ihre Fragen

Was ist die abstrakte Verweisung?
Bei abstrakter Verweisung könnte der Versicherer Sie auf einen anderen, theoretisch zumutbaren Beruf verweisen und die Leistung verweigern. Gute Tarife verzichten darauf — dann zählt allein, ob Sie Ihren zuletzt ausgeübten Beruf noch ausüben können.
Wie hoch sollte die BU-Rente sein?
Als Orientierung sollte die BU-Rente Ihren laufenden Lebensunterhalt decken. Die passende Höhe hängt von Einkommen, Ausgaben und weiterer Absicherung ab — dazu lohnt eine individuelle Beratung.
Was ist der Unterschied zwischen Berufsunfähigkeit und Erwerbsminderung?
Die Berufsunfähigkeit bezieht sich auf Ihren zuletzt ausgeübten Beruf. Die gesetzliche Erwerbsminderung verlangt dagegen, dass Sie praktisch keiner Erwerbstätigkeit mehr nachgehen können — ein viel strengerer Maßstab. Deshalb reicht die gesetzliche Absicherung häufig nicht aus.
Wann sollte ich eine BU-Versicherung abschließen?
Grundsätzlich so früh wie möglich: Je jünger und gesünder Sie sind, desto höher die Chance auf eine Annahme ohne Zuschläge oder Ausschlüsse und desto günstiger oft der Beitrag. Auch Auszubildende und Studierende können bereits einen Schutz aufbauen.
Zahlt die BU auch bei psychischen Erkrankungen?
Ja. Psychische Erkrankungen gehören zu den häufigsten Ursachen für Berufsunfähigkeit und sind grundsätzlich mitversichert, sofern sie nicht im Vertrag ausgeschlossen wurden. Entscheidend ist, dass die Voraussetzungen der Berufsunfähigkeit nach den Bedingungen erfüllt sind.
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Hinweis: Dieser Lexikon-Eintrag dient der allgemeinen Information und stellt keine Rechts-, Steuer- oder Versicherungsberatung dar. Konkrete Bedingungen ergeben sich aus Ihrem Versicherungsvertrag und den jeweiligen Versicherungsbedingungen.

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