Versicherungslexikon

Karenzzeit

Auch: Karenz, Leistungsausschlusszeit, Karenztage

Von Volodymyr Snihovyi Zuletzt aktualisiert: 2 Min Lesezeit

Kurz erklärt

Die Karenzzeit ist ein vereinbarter Zeitraum nach Eintritt eines Versicherungsfalls, in dem noch keine Leistung gezahlt wird. Sie kommt vor allem bei Krankentagegeld- und einigen Berufsunfähigkeits- oder Pflegetagegeldversicherungen vor und senkt in der Regel den Beitrag.

Auf einen Blick

Auch genannt
Karenz, Karenztage
Beginn
Mit Eintritt des Leistungsfalls
Wirkung
Zahlung erst nach Ablauf der Frist
Typische Sparten
Krankentagegeld, BU, Pflegetagegeld
Effekt
Längere Karenz = meist niedrigerer Beitrag

Die Karenzzeit (auch Karenz) bezeichnet die Zeitspanne zwischen dem Eintritt des Leistungsfalls und dem Beginn der Zahlung. Erst nach Ablauf dieser Frist erbringt der Versicherer seine Leistung. Anders als die Wartezeit, die am Vertragsbeginn liegt, knüpft die Karenzzeit also an ein konkretes Ereignis an — etwa eine Krankschreibung. Wer eine längere Karenzzeit vereinbart, übernimmt die ersten Tage selbst und erhält dafür meist einen niedrigeren Beitrag.

Wie funktioniert die Karenzzeit?

Tritt der Leistungsfall ein, läuft zunächst die vereinbarte Karenzzeit. Während dieser Zeit zahlt der Versicherer noch nichts; Sie müssen den Zeitraum aus eigenen Mitteln oder über andere Absicherungen überbrücken. Erst danach beginnt die vereinbarte Leistung — etwa ein tägliches Krankentagegeld. Die Karenzzeit ist damit ein bewusster Selbstbehalt in Form von Zeit statt Geld.

Wo Karenzzeiten vorkommen

  • Krankentagegeldversicherung: Das Tagegeld beginnt erst nach einer bestimmten Zahl von Krankheitstagen — oft abgestimmt auf das Ende der Entgeltfortzahlung durch den Arbeitgeber.
  • Berufsunfähigkeitsversicherung: Einige Tarife bieten eine Karenzzeit, nach der die BU-Rente einsetzt.
  • Pflegetagegeld: Auch hier kann eine Karenzzeit vereinbart sein, bevor das Tagegeld fließt.

Karenzzeit oder Wartezeit — der Unterschied

MerkmalKarenzzeitWartezeit
BeginnMit Eintritt des LeistungsfallsMit Vertragsabschluss
WirkungZahlung beginnt erst nach AblaufAnspruch entsteht erst nach Ablauf
Typische SparteKrankentagegeld, teils BUZahnzusatz, Pflege, PKV
Wirkung auf den BeitragLängere Karenz senkt den BeitragSchützt vor kurzfristigem Abschluss

Worauf Sie achten sollten

  • Karenzzeit auf die Lohnfortzahlung abstimmen: Beim Krankentagegeld sollte die Leistung möglichst dann einsetzen, wenn die Entgeltfortzahlung endet.
  • Überbrückung sichern: Eine lange Karenzzeit lohnt nur, wenn Sie den leistungsfreien Zeitraum finanziell tragen können.
  • Beitrag und Risiko abwägen: Eine längere Karenz senkt den Beitrag, erhöht aber Ihren Eigenanteil an Zeit und Geld.
  • Karenzzeit nicht mit Wartezeit verwechseln: Die eine knüpft an den Leistungsfall an, die andere an den Vertragsbeginn.

So gehen Sie vor

  1. Klären Sie, ab wann andere Leistungen (z. B. Entgeltfortzahlung) wegfallen.
  2. Wählen Sie eine Karenzzeit, die genau an diesem Punkt ansetzt.
  3. Prüfen Sie, ob Sie den leistungsfreien Zeitraum überbrücken können.
  4. Vergleichen Sie Beitrag und Eigenanteil verschiedener Karenzzeiten.

Abgrenzung zu verwandten Begriffen

Die Karenzzeit ist nicht dasselbe wie die Wartezeit, die bereits am Vertragsbeginn liegt. Sie wirkt ähnlich wie eine zeitliche Variante der Selbstbeteiligung und senkt — wie diese — den Beitrag. Mit der Obliegenheit hat sie nichts zu tun: Die Karenzzeit ist eine Zeitschranke, die Obliegenheit eine Verhaltenspflicht.

Beispiel

Ein Selbstständiger hat eine Krankentagegeldversicherung mit Karenzzeit abgeschlossen. Erkrankt er, erhält er in den ersten Tagen noch kein Tagegeld — diese Zeit überbrückt er aus seinen Rücklagen. Nach Ablauf der vereinbarten Karenzzeit zahlt der Versicherer das tägliche Krankentagegeld. Weil er eine längere Karenzzeit gewählt hat, ist sein Beitrag niedriger, als wenn die Leistung sofort einsetzen würde.

Häufige Fragen

Karenzzeit — Ihre Fragen

Was ist der Unterschied zwischen Karenzzeit und Wartezeit?
Die Wartezeit läuft direkt nach Vertragsbeginn und muss verstreichen, bevor überhaupt ein Anspruch entstehen kann. Die Karenzzeit beginnt dagegen erst mit dem Eintritt eines konkreten Leistungsfalls und verschiebt nur den Zahlungsbeginn.
Senkt eine längere Karenzzeit den Beitrag?
In der Regel ja: Je länger die Karenzzeit, desto später zahlt der Versicherer und desto niedriger ist meist der Beitrag. Voraussetzung ist, dass Sie den leistungsfreien Zeitraum finanziell überbrücken können.
Wie wähle ich die richtige Karenzzeit beim Krankentagegeld?
Sinnvoll ist, die Karenzzeit so zu wählen, dass das Krankentagegeld einsetzt, sobald andere Leistungen wie die Entgeltfortzahlung des Arbeitgebers enden. So vermeiden Sie eine Versorgungslücke und zahlen nicht für eine zu kurze Karenz.
Gibt es Tarife ganz ohne Karenzzeit?
Ja, es gibt Tarife, bei denen die Leistung sofort mit dem Leistungsfall beginnt. Solche Tarife sind tendenziell teurer, weil der Versicherer früher zahlt. Ob sich das lohnt, hängt davon ab, wie gut Sie kurze leistungsfreie Zeiträume selbst überbrücken können.
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Hinweis: Dieser Lexikon-Eintrag dient der allgemeinen Information und stellt keine Rechts-, Steuer- oder Versicherungsberatung dar. Konkrete Bedingungen ergeben sich aus Ihrem Versicherungsvertrag und den jeweiligen Versicherungsbedingungen.

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