Versicherungslexikon

Grobe Fahrlässigkeit

Auch: grob fahrlässig, grobe Fahrlässigkeit

Von Volodymyr Snihovyi Zuletzt aktualisiert: 2 Min Lesezeit

Kurz erklärt

Grobe Fahrlässigkeit bedeutet, dass jemand die im Verkehr erforderliche Sorgfalt in besonders schwerem Maße außer Acht lässt. In der Versicherung kann das die Leistung kürzen — viele moderne Tarife verzichten aber ganz oder teilweise auf diese Kürzung.

Auf einen Blick

Was es ist
Besonders schwere Sorgfaltsverletzung
Zwischen
Einfacher Fahrlässigkeit und Vorsatz
Folge
Mögliche Kürzung der Leistung
Wichtig
Verzicht auf den Einwand der groben Fahrlässigkeit
Rechtsgrundlage
Versicherungsvertragsgesetz (VVG)

Von grober Fahrlässigkeit spricht man, wenn jemand die erforderliche Sorgfalt in besonders schwerem Maße verletzt — also etwas außer Acht lässt, das in der konkreten Situation jedem hätte einleuchten müssen. In der Versicherung ist dieser Begriff entscheidend, weil er darüber mitbestimmt, ob und in welcher Höhe der Versicherer im Schadensfall leistet. Zwischen einfacher Fahrlässigkeit und Vorsatz bildet die grobe Fahrlässigkeit die kritische Mittelstufe.

Die drei Verschuldensgrade

GradBedeutungTypische Folge
Einfache FahrlässigkeitNormale UnachtsamkeitVoller Versicherungsschutz
Grobe FahrlässigkeitBesonders schwere SorgfaltsverletzungMögliche Kürzung der Leistung
VorsatzBewusstes, gewolltes HandelnIn der Regel keine Leistung

Wie wirkt sich grobe Fahrlässigkeit aus?

Nach dem Versicherungsvertragsgesetz darf der Versicherer bei grob fahrlässig herbeigeführten Schäden seine Leistung entsprechend der Schwere des Verschuldens kürzen. Wie stark gekürzt wird, hängt vom Einzelfall ab. Klassische Beispiele sind ein überfahrenes Rotlicht, eine auf dem Herd vergessene Pfanne oder ein nicht abgeschlossenes Fenster bei Abwesenheit. Wichtig: Viele moderne Tarife enthalten einen Verzicht auf den Einwand der groben Fahrlässigkeit und leisten dann trotzdem voll.

Worauf Sie achten sollten

  • Verzichtsklausel suchen: Tarife mit „Verzicht auf den Einwand der groben Fahrlässigkeit" bieten besseren Schutz.
  • Umfang prüfen: Manche Tarife verzichten nur bis zu einer bestimmten Höhe.
  • Obliegenheiten einhalten: Sicherheitsvorkehrungen mindern das Risiko einer Kürzung.
  • Im Schadensfall dokumentieren: Eine gute Dokumentation hilft bei der Bewertung des Verschuldens.

So gehen Sie vor

  1. Prüfen Sie, ob Ihr Tarif auf den Einwand der groben Fahrlässigkeit verzichtet.
  2. Achten Sie auf den Umfang dieses Verzichts.
  3. Halten Sie vereinbarte Sicherheitsvorkehrungen ein.
  4. Dokumentieren Sie einen Schaden sorgfältig.

Abgrenzung zu verwandten Begriffen

Die grobe Fahrlässigkeit ist eng mit der Obliegenheit verbunden, denn auch deren Verletzung wird nach dem Verschuldensgrad bewertet. Sie steht zwischen einfacher Fahrlässigkeit und Vorsatz; die rechtlichen Folgen ergeben sich aus dem Versicherungsvertragsgesetz. Bei der Schadenfreiheitsklasse in der Kfz-Versicherung spielt das Verschulden ebenfalls eine Rolle.

Beispiel

Beim Verlassen der Wohnung lässt jemand eine Kerze brennen, wodurch ein Brand entsteht. Das gilt regelmäßig als grob fahrlässig. Ohne entsprechende Klausel dürfte der Versicherer die Leistung kürzen. Enthält die Hausratversicherung jedoch den Verzicht auf den Einwand der groben Fahrlässigkeit, leistet sie trotzdem in vollem Umfang — ein wichtiger Vorteil im Ernstfall.

Häufige Fragen

Grobe Fahrlässigkeit — Ihre Fragen

Was bedeutet grobe Fahrlässigkeit?
Grobe Fahrlässigkeit liegt vor, wenn jemand die erforderliche Sorgfalt in besonders schwerem Maße verletzt — also etwas außer Acht lässt, das jedem hätte einleuchten müssen. Sie steht zwischen einfacher Fahrlässigkeit und Vorsatz.
Zahlt die Versicherung bei grober Fahrlässigkeit?
Grundsätzlich darf der Versicherer die Leistung entsprechend der Schwere des Verschuldens kürzen. Viele moderne Tarife enthalten jedoch einen Verzicht auf den Einwand der groben Fahrlässigkeit und leisten dann ganz oder teilweise trotzdem.
Was ist der Verzicht auf den Einwand der groben Fahrlässigkeit?
Mit dieser Klausel verzichtet der Versicherer darauf, die Leistung wegen grober Fahrlässigkeit zu kürzen. Manche Tarife verzichten vollständig, andere nur bis zu einer bestimmten Höhe. Es ist ein wichtiges Qualitätsmerkmal.
Was ist der Unterschied zwischen grober Fahrlässigkeit und Vorsatz?
Bei Vorsatz handelt jemand bewusst und gewollt — dann besteht in der Regel kein Versicherungsschutz. Grobe Fahrlässigkeit ist dagegen eine besonders schwere Unachtsamkeit ohne Absicht und kann zu einer Kürzung, nicht zwingend zum vollständigen Verlust führen.
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Hinweis: Dieser Lexikon-Eintrag dient der allgemeinen Information und stellt keine Rechts-, Steuer- oder Versicherungsberatung dar. Konkrete Bedingungen ergeben sich aus Ihrem Versicherungsvertrag und den jeweiligen Versicherungsbedingungen.

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