Versicherungslexikon

Abstrakte Verweisung

Auch: abstrakte Verweisbarkeit, Verweisung

Von Volodymyr Snihovyi Zuletzt aktualisiert: 3 Min Lesezeit

Kurz erklärt

Die abstrakte Verweisung erlaubt es dem Versicherer, eine berufsunfähige Person auf einen anderen, theoretisch zumutbaren Beruf zu verweisen und die Leistung zu verweigern — auch wenn sie diesen Beruf gar nicht ausübt. Gute BU-Tarife verzichten auf diese Klausel.

Auf einen Blick

Gehört zu
Berufsunfähigkeitsversicherung
Bedeutung
Verweis auf theoretisch zumutbaren Beruf
Tatsächliche Tätigkeit
Nicht erforderlich
Qualitätsmerkmal
Verzicht auf die abstrakte Verweisung
Konkrete Verweisung
Üblich und akzeptabel

Die abstrakte Verweisung ist eine der wichtigsten Klauseln in der Berufsunfähigkeitsversicherung — und einer der häufigsten Gründe für Streit im Leistungsfall. Sie erlaubt es dem Versicherer, eine berufsunfähige Person auf einen anderen, theoretisch zumutbaren Beruf zu verweisen und die Leistung zu verweigern. Entscheidend ist das Wort „theoretisch": Es kommt nicht darauf an, ob die Person diesen anderen Beruf tatsächlich ausübt oder überhaupt eine entsprechende Stelle findet.

Wie funktioniert die abstrakte Verweisung?

Enthält ein BU-Tarif die abstrakte Verweisung, prüft der Versicherer im Leistungsfall, ob die Person aufgrund ihrer Ausbildung und Fähigkeiten theoretisch einen anderen Beruf ausüben könnte, der ihrer bisherigen Lebensstellung entspricht. Ist das der Fall, kann er die Rente verweigern — selbst wenn es für diesen Beruf am Arbeitsmarkt keine konkrete Stelle gibt. Das macht den Schutz löchrig.

Abstrakte und konkrete Verweisung im Vergleich

MerkmalAbstrakte VerweisungKonkrete Verweisung
MaßstabTheoretisch möglicher BerufTatsächlich ausgeübte Tätigkeit
Tatsächliche Tätigkeit nötig?NeinJa
Für VersicherteUngünstigDeutlich besser

Bei der konkreten Verweisung zählt nur, ob Sie tatsächlich einen anderen, vergleichbaren Beruf ausüben. Die abstrakte Verweisung dagegen genügt sich mit der bloßen Möglichkeit.

Warum der Verzicht so wichtig ist

Gute BU-Tarife verzichten auf die abstrakte Verweisung. Dann zählt allein, ob Sie Ihren zuletzt ausgeübten Beruf noch zu dem in den Bedingungen genannten Grad ausüben können. Dieser Verzicht ist eines der zentralen Qualitätsmerkmale einer Berufsunfähigkeitsversicherung und sollte bei der Auswahl ganz oben stehen.

Worauf Sie achten sollten

  • Verzicht prüfen: Achten Sie in den Bedingungen ausdrücklich auf den Verzicht auf die abstrakte Verweisung.
  • Konkrete Verweisung bleibt: Auf die konkrete Verweisung verzichten die meisten Tarife nicht — das ist üblich und akzeptabel.
  • Bedingungswerk vergleichen: Der genaue Wortlaut entscheidet, nicht die Werbung.
  • Beratung nutzen: Lassen Sie die Klausel von einem unabhängigen Berater prüfen.

So gehen Sie vor

  1. Suchen Sie in den Versicherungsbedingungen die Klausel zur Verweisung.
  2. Stellen Sie sicher, dass der Tarif auf die abstrakte Verweisung verzichtet.
  3. Vergleichen Sie mehrere Bedingungswerke im Detail.
  4. Ziehen Sie bei Unsicherheit eine unabhängige Beratung hinzu.

Abgrenzung zu verwandten Begriffen

Die abstrakte Verweisung ist ein Kernbegriff der Berufsunfähigkeit und ihrer Versicherung. Sie hängt eng mit der Nachversicherungsgarantie und der Gesundheitsprüfung zusammen, die ebenfalls die Qualität eines BU-Tarifs bestimmen. Während die Verweisung regelt, wann geleistet wird, betrifft die Gesundheitsprüfung die Annahme zum Vertrag.

Beispiel

Ein Handwerker kann seinen Beruf nach einer Erkrankung nicht mehr ausüben. Enthielte sein BU-Tarif die abstrakte Verweisung, könnte der Versicherer argumentieren, er könne theoretisch eine Bürotätigkeit ausüben — und die Leistung verweigern, selbst wenn er nie in einem Büro gearbeitet hat und keine Stelle findet. Da sein Tarif jedoch auf die abstrakte Verweisung verzichtet, zählt allein, dass er seinen erlernten Beruf nicht mehr ausüben kann; er erhält die BU-Rente.

Häufige Fragen

Abstrakte Verweisung — Ihre Fragen

Was bedeutet abstrakte Verweisung?
Sie erlaubt dem Versicherer, eine berufsunfähige Person auf einen anderen, theoretisch zumutbaren Beruf zu verweisen und die Leistung zu verweigern — auch ohne dass die Person diesen Beruf tatsächlich ausübt. Gute Tarife verzichten darauf.
Was ist der Unterschied zur konkreten Verweisung?
Bei der konkreten Verweisung zählt nur, ob Sie tatsächlich einen anderen, vergleichbaren Beruf ausüben. Die abstrakte Verweisung genügt sich dagegen mit der bloßen theoretischen Möglichkeit — das ist für Versicherte deutlich ungünstiger.
Sollte mein BU-Tarif auf die abstrakte Verweisung verzichten?
Ja. Der Verzicht auf die abstrakte Verweisung ist eines der wichtigsten Qualitätsmerkmale einer Berufsunfähigkeitsversicherung. Achten Sie beim Vergleich ausdrücklich darauf.
Verzichten Tarife auch auf die konkrete Verweisung?
In der Regel nicht — und das ist auch üblich. Die konkrete Verweisung setzt voraus, dass Sie tatsächlich einen anderen vergleichbaren Beruf ausüben, und gilt daher als akzeptabel.
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Hinweis: Dieser Lexikon-Eintrag dient der allgemeinen Information und stellt keine Rechts-, Steuer- oder Versicherungsberatung dar. Konkrete Bedingungen ergeben sich aus Ihrem Versicherungsvertrag und den jeweiligen Versicherungsbedingungen.

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